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  • Ellen Kuhn & Dr. Joachim Materna

Verirrt auf der magnetischen Insel

Aktualisiert: März 6


„Le Fort“ rief Friendly Fred lautstark und gut verständlich durch den übervollen Bus und blickte dabei gezielt in unsere Richtung. Der Freundliche Fred - so kündigte bereits ein Schild an der Frontscheibe an - machte seinem Namen alle Ehre und reihte sich in unsere guten Erfahrungen mit australischen Busfahrern ein. Aber Freundlichkeit war sowieso eines der Markenzeichen der Einwohner von Magnetic Island - der magnetischen Insel. Haltestellen waren für Friendly Fred von untergeordneter Bedeutung, gehalten wurde auf Wunsch und Zuruf. Wer etwas länger am Straßenrand stehen blieb, wurde als potentieller Fahrgast identifiziert und eingesammelt.

„Lauft in diese Richtung“ meinte er und deutete mit dem ausgestreckten Arm auf einen Pfad, der hinter einer Schranke in einen kleinen Mischwald hinein führte. Wir hatten ihn beim Einsteigen am Hafen nach dem optimalen Ausstieg gefragt, um eine der angeblich schönsten Buchten weit und breit zu erreichen - Florence Bay. Sie war nur zu Fuß oder über eine staubige Sand- und Schotterpiste mit dem Jeep erreichbar.

Gestern Abend waren wir von Sydney kommend in Townsville gelandet, der drittgrößten Stadt im Bundesstaat Queensland an der Ostküste Australiens. Erster Eindruck: sehr einfache, bürgerliche, aber sympathische Atmosphäre. Dazu angenehme Temperaturen, da wir uns in den trockenen Tropen befanden. Am Morgen waren wir im Hafen von Townsville auf die Fähre gestiegen. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, türkisenes Wasser, weiße Möwen. Langsam war die weiße Katamaran-Fähre auf die in Sichtweite vorgelagerte Insel zugeglitten. Es handelte sich nicht um eine Insel mit zwei Bergen und auch ohne Eisenbahnverkehr, aber mit einem Berg und Busverkehr. Friendly Fred stand Lukas, dem Lokomotivführer, in punkto Freundlichkeit aber in keiner Weise nach.

„„Nehmt den oberen Weg“ rief er uns aus der Bustür heraus gelehnt noch hinterher, denn wir drohten gleich zu Beginn in die falsche Richtung zu marschieren. Also passierten wir die Schranke und die vielen Hinweisschilder, die rechts und links der Schranke standen und steuerten mit flottem Schritt in den Wald hinein. Die ätherischen Düfte der Nadelhölzer stiegen uns in die Nase. Nach etwa 500 Metern eine Weggabelung, aber kein Schild und kein Freundlicher Fred mehr.

„Der untere Weg biegt da vorne scharf nach rechts ab, das ist dann aber nicht mehr unsere Richtung zur Bucht“ bemerkte Achim, nachdem er die mehr als einfache Karte der Insel studiert hatte, die mit ihrem Design jeden Kindermalwettbewerb gewonnen hätte. Die Nadelhölzer wurden allmählich von dichtstehenden Eukalyptus-Bäumen abgelöst.

„Auf einem der Schilder an der Schranke habe ich den Hinweis auf Koala Bären gesehen“ erinnerte sich Ellen. Was unweigerlich dazu führte, dass jedes Rascheln unsere vollste Aufmerksamkeit auf sich zog. Unsere Blicke waren konstant auf die Baumkronen gerichtet, immer in der Hoffnung, unsere magere Ausbeute bezüglich der berühmten Sehenswürdigkeiten Australiens würde sich nicht weiterhin nur auf ein Känguru im Vorbeifahren beschränken. Für unseren Weg blieb nicht mehr viel Aufmerksamkeit übrig. Plötzlich dämmerte uns, warum der Ausstieg den Namen „Le Fort“ trug. Unser Pfad hatte uns nämlich zu eben diesem geführt. Die Ruinen dieser alten Befestigungsanlage lagen unmittelbar unterhalb der Bergspitze in der Inselmitte. Eigentlich nicht unser Ziel, aber nicht schlimm, sondern wunderschön, da uns die gesamte Insel mit all ihren Stränden und das weite Meer zu Füßen lag. Manchmal entpuppen sich vermeintliche Umwege doch auch im Leben als schöne und wertvolle Erfahrung.

„Ok wir sind jetzt hier“ resümierte Ellen und deutete auf einen Punkt mitten auf der Kindermalkarte. Mit ihrer zarten Fingerspitze verdeckte sie die Hälfte der Insel. So viel zum Maßstab. „Ich fürchte, wir müssen fast bis zur Schranke zurück, um die Florence Bucht zu erreichen.“

„Oder wir laufen direkt da runter. Das da unten muss sie doch sein, wenn auf dieser Karte wenigstens die Richtung stimmt. Da vorne geht ein Trampelpfad ab. Das könnte eine Abkürzung sein.“ Achims Kindheitstrauma, was das Laufen anbelangte, brach wieder durch. Stets versuchte er dem mathematischen Grundsatz zu folgen, dass die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten die Gerade ist.

„Hier scheinen tatsächlich schon einige Leute die gleiche Idee gehabt zu haben“ bestätigte Ellen, da der Weg nach unten zunächst wirklich gut erkennbar war. Nach circa 100 Metern endete der Trampelpfad jedoch plötzlich in dichtem Gestrüpp. „Ah, da drüben gehts weiter“ waren wir uns sicher, weil wir wieder kurze ausgetretene Pfadabschnitte sahen. Der vermeintliche Pfad wurde immer unwirtlicher, aber wir kämpften uns weiter durch, immer im Glauben (oder in der Hoffnung, auf jeden Fall nicht im Wissen), wir hätten wieder neue Wegstücke entdeckt. Wieder war es wie im wirklichen Leben: eigentlich gibt es gar keinen Weg dorthin, wohin man möchte, aber man ist zu blind und zu sehr ins Detail versessen, um sich einzugestehen, dass man besser umdrehen sollte, um nach einem neuen Weg zu suchen. Erschwerend kam bei uns hinzu, dass wir mittlerweile soweit gelaufen waren, dass wir auch den Weg zurück nicht mehr gefunden hätten.

„Was nun?“ fragte Ellen halb Achim und halb sich selbst. Zwischenzeitlich standen wir nämlich ziemlich hilflos in einer von trockenen Sträuchern und Bäumen bewachsenen riesigen Mulde, die uns den Blick weder zum Meer noch zurück zum Fort erlaubte. „Handy!“ parierte Achim mit der ersten Lösung „GPS!“. Kennt dieses Phänomen nicht jeder? Immer wenn man auf die Funktionsfähigkeit seines Mobiltelefons dringend angewiesen ist - ja richtig, dann tut nichts! Mit „Kein Empfang“ verschwand die Euphorie aus Achims Gesicht. Aber wir waren ja beide die geborenen und erprobten Problemlöser.

„Lass es uns mal da oben auf dem riesigen Felsbrocken versuchen“ deutete Ellen auf das wenige Meter entfernte Ungetüm. Gesagt, getan. Das Los fiel auf Achim als Bergsteiger, der teils mit der Kraft seiner Arme, teils von Ellen geschoben auf den Felsen hinauf kletterte.

„Was für ein knackiger Po!“ lächelte Ellen süffisant, während sie Achim den letzten Schubs gab. Wie beim Ausrichten einer Antenne drehte Achim sein Handy in unterschiedlichste Richtungen.

Mit „Zwei schlechte Meldungen“, leitete Achim das wenig Erfreuliche ein, was dann folgte. „Erstens sehe ich auch von hier oben weder die Bergspitze noch das Meer. Zweitens funktioniert das GPS auch hier nicht. Aber ich habe eine neue Idee: in meinem Handy ist auch ein Kompass. Florence Bay müsste von hier aus im Südosten liegen.“ Kurzer Anflug von Optimismus bei uns beiden. Allerdings maximal für die Dauer eines Wimpernschlages. Nächste Meldung aus der Höhe. „Der Kompass rotiert total, der spuckt dauernd neue Positionen aus.“

„„Ich sage nur James Cook!“ Ellens Stichwort genügte, um uns beiden siedend heiß in Erinnerung zu rufen, wie die Magnetische Insel zu ihrem Namen gekommen war. Als der britische Kapitän James Cook mit seinem Schiff Endeavour 1770 die Insel entdeckte, hatte er mit dem gleichen Schicksal zu kämpfen wie wir. Er hatte sich zwar nicht auf einer Wanderung verirrt, aber sein Kompass an Bord spielte verrückt, weswegen Cook vermutete, die Insel bestehe aus magnetithaltigem Gestein.

„Au!!!“ schallte es von der Spitze des Felsens.

„Siehst du doch etwas?“

„Nein, aber irgendetwas hat mich in die Wade gebissen.“

„Ok, jetzt ganz ruhig bleiben“ versucht Ellen vorweg zu nehmen, was vermutlich gleich eintreten würde. An Achims Beinen krabbelte nämlich eine Armee roter Ameisen hinauf.

Zu viel Wissen schadet nur, manchmal jedenfalls. In Australien gibt es eine Vielzahl seltener Tiere, wovon viele leider hochgiftig sind, dazu gehören auch bestimmte Stämme roter Ameisen. Andererseits ist dieses Wissen eine absolute Hilfe, um auf der Spitze eines Felsbrockens ohne Choreografie einen erstklassigen Kosaken-Tanz hinzulegen. Das sah auf den ersten Blick recht witzig aus, allerdings war uns langsam aber sicher nicht mehr zum Lachen zumute. Mehr verzweifelt als tollkühn sprang Achim über zwei Meter in die Tiefe und landete punktgenau neben Ellen.

„Ok, jetzt lass uns mal resümieren: wir stehen irgendwo auf dieser Insel, wissen aber nicht wo, wissen nicht wo oben und unten ist, weil wir keinerlei Gefälle erkennen können und haben keinen blassen Schimmer, in welche Richtung wir laufen sollen. Und wir wissen nicht, wann es hier dunkel wird.“ Achims Versuch einer kühlen Analyse, obwohl die Gedanken rasten. Ellens nächste Worte kamen zögerlich.

„Ich muss leider noch zwei Tatsachen ergänzen. Zum einen haben wir nicht mal mehr einen Liter Wasser und zum anderen habe ich am Eingang an der Schranke noch ein anderes Schild gesehen.“ Achims Augen verengten sich, als er Ellens sorgenvolles Gesicht sah: „Ich habe die Schilder gar nicht beachtet. Was stand drauf?“

„Warnung vor Todesottern!“ Ellen wusste, dass es für diese Nachricht keine schonende Art der Übermittlung gab. „Ich habe dort noch nicht geahnt, dass uns das betreffen könnte.“ Für die Nicht-Biologen und Nicht-Zoologen: dieses putzige Tierchen aus der wenig sympathischen Familie der Schlangen verteilt bei seinem Biss ein Gift, das in kürzester Zeit zu Muskelstarre und Atemlähmung führt.

Achim versuchte sich an seinen Biologieunterricht zu erinnern. „Schlangen leben doch bevorzugt in Gestrüpp, unter trockenen Zweigen und Ästen und zwischen Felsen. Wenn ich mal um uns herumschaue, was sehe ich dann. Jede Menge Gestrüpp, trockene Zweige und Äste und mehr als genug Felsen. Wir stehen also mit hoher Sicherheit mitten in einem Schlangen-Terrarium.“ Wir umarmten uns. So lange wir an einer Stelle stehen blieben, schien uns die Gefahr etwas geringer. Diese Strategie war aber nicht wirklich geeignet, um uns aus dieser Misere zu befreien. Unsere Blicke glitten an uns hinunter. Kurze Hosen, wenigstens Sportschuhe und keine Flip-Flops, wie sie die meisten anderen Gäste im Bus getragen hatten. Aber Ziel war ja eigentlich auch Strand und keine Wanderung im tiefsten australischen Busch.

Ellen machte einen Vorschlag. „Wir entscheiden uns jetzt für eine Richtung. Irgendwann muss doch wieder ein Gefälle erkennbar sein. Wir sind doch hier auf einer Insel und nicht im Amazonas-Dschungel. Und dann gehen wir immer bergab. Mit der Taktik müssen wir doch irgendwann zwangsläufig an irgendeiner Küste ankommen.“ Aktivismus statt Verzweiflung.

„Ich danke dir, dass du so ruhig bleibst. Aber ich weiß ja schon seit Nepal, wie gut du mit Krisensituationen umgehen kannst.“ Achim streichelte Ellen über die Wange. „Ein Vorschlag auch von mir: immer derjenige von uns, der vorausläuft, sucht mit einem Stock die Fläche für die nächsten Schritte ab.“ Dieses Vorgehen erwies sich als einzig sinnvolle Methode, war aber extrem zeitraubend, da jeder Schritt mit äußerster Vorsicht gesetzt werden musste. Trotzdem knackte und krachte es bei jedem Tritt, da unter unserem Gewicht die trockenen Äste wie Streichhölzer brachen.

„Hätte ich gewusst, was uns heute noch blüht, hätte ich eine Machete eingepackt.“ Ellens Augen sprangen zwischen Boden und überhängenden Ästen hin und her. Teilweise wurde der Bewuchs so dicht, dass wir nur noch kriechend voran kamen. Arme und Beine waren bereits von blutigen Kratzern übersät. Die T-Shirts durch Hitze und Adrenalin von Schweiß durchtränkt. Ellen zuckte zusammen: „Was war das? Gibt es hier auch Klapperschlangen?“

„Das können nur meine Zähne gewesen sein, die geklappert haben.“ Galgenhumor. Es reichte nicht mal mehr für ein Lächeln auf Achims Gesicht. Immer noch kein Gefälle, immer noch keine Richtung. Dazu spukte in unserer beider Köpfe die Vorstellung, dass wir jede Sekunde eine schlafende Schlange in ihrer Privatsphäre stören könnten. Nicht auszumalen, was dies bedeutet hätte, egal, wer von uns beiden gebissen worden wäre. Jeder spürte die Gedanken des anderen. Wir waren hochkonzentriert, unserer beider Augen hellwach, die Wahrnehmung lief auf Hochtouren. Immer wieder wechselten wir uns an der Spitze ab. Es war schon eine Stunde der völligen Orientierungslosigkeit vergangen.

„Ich sehe dort vorne einen ganzen Haufen dieser riesigen Felsbrocken“ durchbrach Achim die konzentrierte Stille. „Wir müssen noch mal zurück und dort hinten durch das Gestrüpp kriechen, so müssten wir zu ihnen hin kommen.“

Die Felsbrocken hatten teilweise Durchmesser von drei bis fünf Metern und es waren nicht nur ein paar, sondern es war eine ganze Steinlawine, an der wir endlich die Neigung Richtung Tal ablesen konnten. Zwischen den Felsen ging es teilweise schwindelerregend in die Tiefe. Wir blickten in tiefe dunkle Löcher hinab, in denen kein Grund zu erkennen war. Wie dankbar waren wir für die rutschfesten Sohlen unserer Sportschuhe, wenn wir an Felswänden entlang hangelten, die einer Senkrechten nahe kamen. Immer waren wir aufeinander bedacht, schauten, was der andere machte, wie es ihm ging, suchten Augenkontakt und bekamen manchmal sogar ein aufmunterndes Lächeln hin.

„Wir schaffen das zusammen“ machten wir uns immer wieder gegenseitig Mut. Zeitweise kamen wir uns wie Freeclimber vor, wenn wir manche Passagen nur dadurch überwinden konnten, dass wir uns an Felsvorsprünge klammerten. Eine Hand suchte sicheren Halt, mit der anderen halfen wir im Kreuzgriff dem jeweils anderen über kritische Passagen.

„Ich sehe die Bucht!“ Kurze Euphorie in Achims Stimme. Aber es war eine gute und schlechte Nachricht zugleich. Endlich Orientierung, aber das Ziel war noch erschütternd weit weg. Besorgnis und Verzweiflung erreichten ein neues Höchstmaß. Wir versuchten noch schneller die Felsen hinauf und hinab zu klettern. Teilweise mussten wir sogar auf gegenüberliegende Felshänge springen, um Spalten zu überwinden. Dann die Erkenntnis.

„Hier geht es absolut nicht mehr weiter. Hier können wir nicht springen. Ich glaube, das ist zu hoch. Aber haben wir eine andere Wahl? Es gibt keinen anderen Weg nach unten.“ Achim zögerte lange. Er schaute Ellen an, küsste sie, erneuter Blick nach unten. Dann sprang er.

Es knackte.

Ellen schrie auf.

Manchmal geraten wir auf unserem Weg durchs Leben in Situationen, wo es kein Umkehren gibt und wo wir einfach durch müssen. Wo wir auch etwas wagen oder über unseren Schatten springen müssen. Auch wenn wir manchmal noch gar nicht sehen, wo wir landen werden.

„Achim? Alles ok? Was war das? Was ist passiert?“ rief Ellen panisch in die Tiefe. Durch die überhängende Felskante konnte sie nicht sehen, wo und wie Achim aufgekommen war.

„Mir geht es gut. Nur der Ast hat eine Fraktur, nicht mein Unterschenkel“ hallte es von unten. „Ich sehe von hier eine andere Route für Dich. Steig noch mal nach oben und orientiere dich weiter nach links auf den Hinkelstein zu.“ Die Ausmaße dieses Urgesteines hätten auch Obelix Respekt abgerungen.

Eine weitere Stunde später krochen wir ein letztes Mal durchs dichte Unterholz. Wir konnten es kaum fassen. Unter unseren Füßen eine befestigte Schotterstraße. Hier erst realisierten wir, wie sich unser Äußeres seit Betreten des sogenannten Trampelpfades verändert hatte. Dreckverschmierte Gesichter und Kleider, Risse in den T-Shirts, tiefe Kratzer auf Stirn und Wangen, Rinnsale von Blut an Armen und Beinen. Unsere Hände waren vom rauen Gestein wie aufgeschmirgelt. Aber alles egal. Hauptsache unser Horrorszenario eines Schlangenbisses war nicht eingetreten.

Florence Bay. Direkt vor uns. Und wir? Platt, tot, leer. Wir brauchten eine ganze Weile, in der wir einfach nur im Sand lagen, um diese paradiesische Bucht realisieren zu können. Sie war menschenleer und erfüllte alle Klischees: weißer, feiner Sand, türkises Wasser, ein Saum aus Palmen, die sich in einer leichten Meeresbrise hin und her bewegten. Große, weiße Steinformationen bildeten ein Tor zum offenen Meer. Ellen drehte ihren Kopf zu Achim.

„Danke für alles!“

„Ich danke dir.“

Ein Duft von Algen und Fisch lag in der Luft. Oder waren wir das? Momentan war das ja nur marginal problematisch, aber bald schon mussten wir uns zurück unter Menschen begeben. Also runter mit den Kleidern und hinein ins erfrischende Nass. Aber bevor wir ins Meer hinein konnten, kam überraschenderweise genau in diesem Augenblick etwas aus dem Meer heraus, das für uns zunächst aussah wie zwei Marsmenschen. Die zwei Wesen entpuppten sich als ein australisches Pärchen, das nur kurz mal eine Runde schwimmen und schnorcheln war. Hierfür hatten sie eine komplette Taucherausrüstung angelegt, besser eine Art Ganzkörper-Schutz-Kondom. Die einzigen Körperstellen, die dann noch Außenkontakt gehabt hätten, wurden mit Flossen, Handschuhen und Taucherbrille hermetisch bedeckt.

„Ihr könnt hier nicht ins Wasser, wenn ihr keinen Schutzanzug wie wir dabei habt. Hier wimmelt es vor giftigen Quallen. Jede kleinste Berührung führt sofort zum Tod.“

Giftige Ameisen, giftige Schlangen, giftige Quallen. Wir machten uns auf den Heimweg zum Bus und freuten uns, dass wir am Ende eines lockeren Ausfluges zum Strand überhaupt noch am Leben waren. Es war so schön, Friendly Fred wiederzusehen.

Auszug aus: Ellen Kuhn & Joachim Materna „Keine Angst vorm Fliegen" erschienen im Tredition-Verlag.

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#TravelShortStory #Australien

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