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  • Ellen Kuhn & Dr. Joachim Materna

Geheimtipp SANSIBAR - bitte NICHT lesen!!

Aktualisiert: März 6


Was soll man nur tun, wenn man etwas entdeckt hat, dass so unglaublich schön ist, dass man es einerseits jedem erzählen möchte, aber es andererseits gerne für sich behalten möchte?

Malediven, Seychellen, Mauritius, Französisch-Polynesien sind Inseln, die jeder mit paradiesischen Bildern verbindet. Aber Sansibar….? Keine Idee? Keine Vorstellung? So ging es uns auch.

Eigentlich wollen wir ja wirklich nichts verraten. Vielleicht nur so viel - ein paar Fakten, die man eh überall nachlesen kann.

Sansibar oder Zanzibar ist heute Teil Tansanias (allerdings halbautonom mit eigener Regierung und eigenem Präsidenten), aber war tatsächlich einmal der Regierungssitz des 4000 km entfernten Sultanats Oman. Unglaublich, oder? Schon eine Weile her, aber es war die wohlhabendste und politisch dominierendste Periode in der Inselgeschichte, das „Goldene Zeitalter“. Davon ist nichts mehr geblieben. Heute leben 50% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 250 US-Dollar.

Eine der Ursachen für die blühende Wirtschaft im 17./18. Jahrhundert war der erfolgreiche Anbau und Export vieler Gewürze, was dem Eiland die Beschreibung „wo der Pfeffer wächst“ einbrachte. Auch heute spielen Gewürze wie Nelken, Pfeffer, Vanille, Zimt, Muskatnuss und viele andere eine große Rolle und sind auf den vielen Märkten der Insel (der berühmteste ist der Darajani in Stone Town) hautnah mit allen Sinnen zu bestaunen.

Eine andere marktbeherrschende Rolle hatte Sansibar im Handel mit Elfenbein und - sehr erschütternd - im Sklavenhandel. Bis 1873 wurden hier afrikanische Gefangene aus West- und Zentralafrika versteigert. Ein Mahnmal in Stone Town erinnert an diesen schmerzhaften Teil der Historie. Die Einblicke in die Käfig-ähnlichen Kerker lassen einen erschauern.

Vielleicht noch etwas zur Geografie, bevor wir dann wirklich abbrechen?

Eigentlich besteht Sansibar aus mehreren Inseln, die beiden größten sind Unguja (früher ebenfalls Sansibar genannt) und Pemba. Zum Festland Tansania sind es gerade einmal 25 bis 50 km, weshalb Sansibar sowohl mit der Fähre wie mit dem Kleinflugzeug erreicht werden kann. Von Norden nach Süden misst die Insel 100 km, von Ost nach West sind es sogar nur 40 km. Nur die Hauptverbindungen sind asphaltiert, die restlichen Straßen sind Schotterstraßen oder unbefestigt und werden eher unregelmäßig instand gesetzt.

Nur ganz kurz noch etwas zur Hauptstadt Sansibar-Stadt. Dann ist wirklich Schluss.

Am bekanntesten ist die imposante Altstadt mit Namen Stone Town, mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe. Ihre Architektur reflektiert bis heute die Synthese aus arabischen, indischen und schwarzafrikanischen Einflüssen; sie ist ebenso multikulturell wie ihre Bewohner. Moscheen, Kirchen und Hindu-Tempel, afrikanische Märkte, Kolonialbauten und britische Handelshäuser, ein omanisches Fort und unglaublich viele, kunstvoll geschnitzte Holztüren ergänzen einander und machen das friedliche Miteinander der Suaheli-Kultur Sansibars aus. Heute sind viele der verwinkelten Gassen und hohen Stadthäuser der alten Steinstadt unverändert und die Besucher können zwischen dem Palast des Sultans (Beit-el-Sahel), dem Haus der Wunder (Beit-el-Ajaib), der Alten Festung (Ngome Kongwe), den Gärten, den Herrschaftshäusern der Kaufleute und den türkischen Bädern umher streifen.

Der berühmteste Sohn von Stone Town ist der Rockstar Freddie Mercury, der am 5. September 1946 unter dem Namen Farrokh Bulsara in eine aus Indien stammende parsische Familie geboren wurde.

Ja, das war jetzt wirklich alles - wir wollen unser Geheimnis ja behüten.

Oder haben wir da gerade ein Versprechen gehört, das Geheimnis zu bewahren und nicht weiter zu erzählen? Dann wollen wir unserer Begeisterung mal freien Lauf lassen….

Wir haben schon viele schöne Stränden dieser Welt erleben und geniessen dürfen - siehe Liste in der Einleitung. Aber das, was wir auf Sansibar gesehen haben, ist in unserem Ranking ganz weit oben anzusiedeln. Da ist es wirklich kein Zufall, dass die Strände rund um die Insel immer wieder und immer häufiger zu den schönsten Stränden der Welt gewählt werden. An einem dieser Strände entlang zu schlendern und den Zauber dieser unbekannten Schönheit zu spüren, öffnet das Herz, beruhigt die Sinne, entschleunigt den Geist. Natürlich kam uns entgegen, dass es eigentlich Regenzeit war. Aber was machen schon ein paar kurze, warme Regengüsse aus, wenn man sonst kilometerlange Strandabschnitte fast für sich alleine hat und diese ganz besonderen klaren Farben geboten bekommt, die sich nach einem Regen zusammen mit manchmal zwei synchronen Regenbogen in die Luft projizieren.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob man in den eher dichter besiedelten Strandabschnitten nach Norden rund um Nungwi reist, wo der Tourismus schon mehr Fuß gefasst hat, aber dafür weniger Ebbe-Flut-Bewegung als an der Ostküste zu verzeichnen ist. Dafür bieten die endlosen Strände im Osten - egal ob Matemwe, Bwejuu oder eine der vielen anderen - selbst bei Ebbe die Möglichkeit zu atemberaubenden Strandspaziergängen, die man nie mehr vergessen wird. Unser persönliches Highlight war darüber hinaus ein Segeltrip mit dem Hobie Cat vor der Küste von Dongwe. Während man bei leichter Brise durch das türkise Wasser gleitet, passiert man paradiesische Küstenabschnitte, an denen der weiße Sand in einen dichten Palmenwald übergeht. Die wenigen Hotelanlagen sind so flach gebaut, dass sie fast völlig darin verschwinden.

Im Flachwasser spielen und lachen schokoladenbraune Kinder, ihre Väter und Mütter schlendern derweil mit der für sie so typischen Gelassenheit am weissen Strand entlang. „Hakuna Matata - mach dir keine Sorgen“ - ist ihr allgegenwärtiges Motto. Und beim so offenen und sympathischen „Jambo - Hallo“ blitzen ihre strahlend weissen Zähne.

Man möchte Ihnen zurufen „Bewahrt Euch die Schönheit dieser Insel“. Das Bewusstsein für Ihre so wertvolle Umwelt scheint zu wachsen, wenn man die mannigfaltigen ökologischen Projekte auf der Insel sieht wie z.B. das Schildkröten-Schutzprogramm in der Menai Bay Conservation Area und die Aufzucht und Pflege der seltenen Red Colobus Affen im Jozani Forest.

Und dann sind es doch auch vor allem wir Besucher, die gefordert sind, bewusst und sorgsam mit diesem schönen Fleck Erde umzugehen. Also nicht in Massen rücksichtslos jedem Geheimtipp nachzujagen und das Paradies irgendwann abgegrast, vermüllt und menschlich-sozial verwüstet zurück zu lassen.

Also gerade deshalb - bitte nicht weiter erzählen. Versprochen?

© Bilder und Text TRAVEL-EDITION


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