Drei Monate Leben in Phnom Penh, Kambodscha


Es gab Zeiten, da hätten wir gar nicht gewusst, wo diese Stadt überhaupt liegt. Was kann man dann also von Phnom Penh erwarten?
Ehrlich gesagt wussten wir es selbst nicht so genau, als es uns eher zufällig für drei Monate in die Hauptstadt Kambodschas verschlug. Natürlich hatten wir Bilder im Kopf: Rote Khmer, Killing Fields, Angkor Wat, buddhistische Mönche in orangefarbenen Roben, Mekong, vielleicht ein paar Tempel und jede Menge Motorroller und Tuk-Tuks. Aber Phnom Penh an sich und insgesamt? Keine Ahnung.
Vielleicht war genau das die beste Voraussetzung, um völlig unvoreingenommen von einer Stadt überrascht zu werden. Aber es war trotz jahrelanger Reiseerfahrung Anlass genug für eine gehörige Portion Bauchgrummeln.
Wie immer in unserem Leben als digitale Nomaden begann es mit dem Warmwerden im unmittelbaren Umfeld. Mit der Wohnung am Preah Sisowath Quay, mit den Shops und Restaurants in der näheren Nachbarschaft. Dann ein vorsichtiges Ausdehnen des Entdeckungsradius. Schlendern auf der wunderschönen Uferpromenade entlang des Tonle Sap, der in Sichtweite in den majestätisch dahinfließenden Mekong mündet. Allabendliches Beobachten der bunt beleuchteten kleinen Kreuzfahrtschiffe, die Touristen und Einheimische für ein oder zwei Stunden in die Weite des Mekong mitnehmen. Vortasten in die unzähligen Märkte, die teils im Freien, teils überdacht in riesigen Hallen angesiedelt sind. Mehr und mehr auch Mut für frühabendliche Aktivitäten, mit der Erkenntnis, von Rotlichtbezirken umzingelt zu sein. Am Anfang war alles befremdlich, aber nach kurzer Zeit wurde es so vertraut, als wenn wir hier schon jahrelang gelebt hätten. Weil die Stadt es einem einfach macht und jeder einen willkommen zu heißen scheint. Und so formte sich das Bild einer Stadt namens Phnom Penh.
Wie Phnom Penh seinen Namen bekam
Der Ort, wo alles begann und der der Stadt ihren Namen gab, ist Wat Phnom. Keine gigantische Tempelanlage, kein Angkor Wat im Kleinformat. Nur ein rund 30 Meter hoher Hügel mitten in der Stadt. Der Legende nach fand Lady Penh im 14. Jahrhundert mehrere Buddhastatuen im Fluss und ließ einen Hügel aufschütten, um ihnen einen würdigen Platz zu geben. Aus „Phnom“, dem Hügel, und „Penh“ wurde Phnom Penh. Ob sich alles exakt so zugetragen hat? Wer weiß. Aber irgendwie passt die Geschichte zu dieser Stadt. Ein vergleichsweise unspektakulärer Hügel, ein Tempel, ein paar Makaken-Affen – und fertig ist der Name einer Millionenmetropole.
Phnom Penh ist grundsätzlich eine dieser Städte, die sich einer schnellen Einordnung hartnäckig verweigern. Moderne Hochhäuser wachsen in den Himmel, während ein paar Straßen weiter auf einfachen Märkten Fisch, Fleisch, Gemüse und allerhand andere Dinge verkauft werden. Luxusautos schieben sich durch einen Verkehr, dessen Regeln für Neuankömmlinge nur bedingt erkennbar sind. Dazwischen Tuk-Tuks, Motorroller, Straßenküchen und buddhistische Mönche. Und über allem liegt eine erstaunliche Gelassenheit.
Phnom Penh liegt dort, wo Tonle Sap und Mekong zusammentreffen. Wasser gehört damit gewissermaßen zur DNA der Stadt. Besonders an der kilometerlangen Uferpromenade lässt sich wunderbar beobachten, wie unterschiedlich Phnom Penh sein kann. Im Bereich des Sisowath Quay dominieren Hotels, Restaurants und Touristen, während sich näher am Königspalast spätestens gegen Abend das kambodschanische Alltagsleben an das Ufer verlagert. Familien sitzen zusammen, Garküchen dampfen, Kinder spielen, Händler verkaufen ihre Waren. Jedes Wochenende, das ganze Jahr hindurch, wird die gesamte Uferpromenade zur Open-Air-Küche mit Volksfestcharakter.
Rund zwei Millionen Menschen leben heute in Phnom Penh. Und die Stadt wirkt jung. Sehr jung. Ein großer Teil ihrer Bewohner kennt die dunkelste Epoche des Landes nur noch aus den Erzählungen der Eltern und Großeltern.
Eine Hauptstadt, die irgendwann keine mehr sein durfte
Am 17. April 1975 marschierten die Roten Khmer in Phnom Penh ein. Sie waren aus einer maoistisch-nationalistischen Guerillabewegung hervorgegangen. Kurz darauf begann die nahezu vollständige Zwangsevakuierung. Eine ganze Hauptstadt wurde entvölkert. Menschen mussten aufs Land, Familien wurden auseinandergerissen, Intellektuelle, Lehrer, Ärzte und vermeintliche Gegner des Regimes verfolgt und ermordet. Zwischen einer und zwei Millionen Kambodschaner starben während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer durch Hinrichtungen, Zwangsarbeit, Hunger und Krankheiten. Phnom Penh wurde zur Geisterstadt.
Wer das ehemalige Gefängnis S-21, heute Tuol-Sleng-Genozid-Museum, besucht, bekommt eine Ahnung davon, was hinter diesen abstrakten Zahlen steckt. Etwa 20.000 Menschen sollen dort gefangen gehalten und gefoltert worden sein, bevor viele von ihnen zu den Killing Fields von Choeung Ek gebracht und ermordet wurden.
1979 beendete der Einmarsch vietnamesischer Truppen die Dominanz der Roten Khmer. Ruhe kehrte damit allerdings noch lange nicht ein.
Selbst Anfang der 1990er-Jahre war Phnom Penh offenbar noch eine völlig andere Welt. Rund 22.000 Angehörige der UN-Mission kamen ins Land. Mit ihnen kamen Dollars, internationale Organisationen und plötzlich jede Menge Geld in eine bitterarme Stadt. Zeitgenössische Beschreibungen erinnern eher an Wildwest als an die heutige Metropole: Chaos, Korruption, Prostitution, Kriminalität und Kidnapping gehörten zur Realität. Erst Ende 1993 zogen die Blauhelme wieder ab.
All das ist heute nur noch schwer vorstellbar. Erfreulicherweise gibt es eine Reihe von Initiativen zur nationalen Versöhnung und zur Traumatherapie für Überlebende und ihre Familienangehörigen.
Wer heute abends durch das hell erleuchtete Phnom Penh fährt, an gläsernen Hochhäusern, modernen Hotels, Shopping-Malls und digital herunterzählenden Ampeln vorbeikommt, muss sich schon ziemlich anstrengen, sich eine Stadt vorzustellen, die noch Mitte der 1990er-Jahre kaum asphaltierte Straßen hatte und nachts teilweise von Feuerstellen und Generatoren beleuchtet wurde.
Natürlich ist diese rasante Entwicklung nicht nur kambodschanischem Unternehmergeist zu verdanken. Vor allem chinesisches Kapital hat den Bauboom der vergangenen Jahre massiv vorangetrieben. Im ganzen Land entstanden und entstehen Straßen, Hotels, Wohnanlagen, Casinos, ein hypermoderner Flughafen und andere Großprojekte. Phnom Penh ist das Schaufenster dieser Entwicklung.
Und trotzdem wurde die Vergangenheit nicht vollständig wegmodernisiert. Zwischen Neubauten stehen noch immer verwitterte französische Kolonialhäuser, Jugendstilvillen und Art-déco-Gebäude. Manche wurden aufwendig renoviert und zu Boutiquehotels oder Restaurants umgebaut, andere warten offenbar noch darauf, dass jemand ihren morbiden Charme entdeckt.
Ultraleicht von A nach B
Fortbewegen kann man sich in diesem Gewirr von Straßen und Gassen hervorragend – zumindest dann, wenn man auf den völlig überflüssigen Wunsch verzichtet, unbedingt ein eigenes Auto besitzen zu müssen.
Tuk-Tuk-App öffnen. Standort und Ziel eingeben. Ein paar Augenblicke später steht der Fahrer mit seinem niedlichen Gefährt – eigentlich eine dreirädrige Moped-Rikscha – vor einem. Einsteigen. Losfahren. Preis vorher bekannt, Bezahlung auf Wunsch digital. Genial.
So wird das Tuk-Tuk mit seinen oft fantasievollen Bemalungen und liebevollen Ausschmückungen irgendwann nicht mehr zur exotischen Touristenattraktion, sondern schlicht zum öffentlichen Individualverkehr. Nach drei Monaten fragt man sich eher, warum dieses System in vielen anderen Städten so kompliziert sein muss. Erst recht, als bereits erste zarte Blüten batteriebetriebener Tuk-Tuks hier und da aufknospen. Hier ist ein schnelleres Umdenken dringend notwendig, möchte man resümieren, wenn man die je nach Wetter- und Windlage unverkennbare Smogschicht über der Stadt wahrnimmt, die allenfalls als interessanter Farbfilter vor der untergehenden Sonne noch schwache Pluspunkte sammeln kann.
Das eigentlich Bemerkenswerte ist allerdings der Verkehr selbst. Wo wir Europäer vermutlich spätestens nach fünf Minuten mit Hupe, Lichthupe und erhöhtem Blutdruck unsere verkehrserzieherischen Ambitionen entdecken würden, fließen Motorroller, Tuk-Tuks und Autos irgendwie umeinander herum. An normalen Kreuzungen scheint es keine Vorfahrtsregeln zu geben – der Verkehrsstrom fließt aus vier Richtungen ineinander oder dann irgendwie auch wieder auseinander. So als wenn viele Moleküle in einen Raum zuerst hinein- und dann auch wieder hinausdiffundieren. Das alles erstaunlich selten aggressiv. Vielleicht hat dieses Verhalten etwas mit einer weiteren Erfahrung zu tun, die uns in Kambodscha immer wieder begegnete.

Buddhismus – nicht nur Tempeldekoration
Mehr als 90 Prozent der Kambodschaner gehören dem Theravada-Buddhismus an. Das wäre zunächst einmal eine statistische Information. Interessanter wird es, wenn man merkt, dass Religion hier tatsächlich im Alltag stattfindet.
In den Pagoden murmeln Gläubige Gebete in Pali, Räucherstäbchen brennen, Menschen bringen Opfergaben oder Geldspenden. Gute Taten sollen das eigene Karma verbessern. Ahnenverehrung und Geisterglaube haben sich mit buddhistischen Vorstellungen vermischt. Junge Männer verbringen nicht selten eine gewisse Zeit als Novizen im Kloster, bis sie irgendwann wieder ins bürgerliche Leben zurückkehren. Ob moralisch und ethisch gestärkt, weiß man nicht, aber auf jeden Fall nicht von der wirklichen Welt abgesondert. Die Mönche haben zwar ihre Klöster, sind aber täglich ins pulsierende Leben der Stadt eingebunden. Menschen bringen ihre Opfergaben, fragen um Rat, wollen den Segen für ihr Vorhaben oder ihr Leben. Dafür legt der Mönch in seiner traditionellen orangefarbenen Robe dann auch mal kurz sein Smartphone zur Seite, mit dem er die Zeit zwischen den Zeremonien überbrückt. Vielleicht kann er in einer App auch schon seine Karma-Punkte abfragen. Es gab kaum einen Mönch der jüngeren Generation, der sein Handy nicht in der Hand trug. Wie herrlich normal. Tradition und Moderne müssen sich offenbar weniger widersprechen, als wir manchmal glauben.
Der starke buddhistische Einfluss macht sich in den Werten der Menschen und im Alltag ganz offensichtlich bemerkbar: Geduld, Zurückhaltung, Höflichkeit und Toleranz scheinen tatsächlich einen hohen Stellenwert in dieser Stadt, in dieser Gesellschaft zu besitzen, und das nicht nur im Straßenverkehr. Selbst in der quirligen Millionenstadt begegneten uns viele Menschen zunächst eher schüchtern und reserviert, gleichzeitig aber ausgesprochen freundlich. Und neugierig. Manchmal hatten wir fast den Eindruck, dass nicht nur wir Kambodscha betrachteten, sondern Kambodscha mindestens ebenso interessiert uns. Westliche Besucher sind dabei längst keine Sensation mehr. Trotzdem erlebten wir immer wieder Blicke, Lächeln und vorsichtige Kontaktaufnahmen. Und das in ganz simplen Alltagsszenen. Sport wird zum Beispiel großgeschrieben in Phnom Penh – mal in Tai-Chi-Gruppen vor dem Kaiserpalast, im Open-Air-Fitness-Parcours auf der Uferpromenade oder beim abendlichen Zumba-ähnlichen Gruppentanz mit Musik am Fluss. Schon nach kürzester Zeit wird man überall sehr scheu zum Mitmachen eingeladen. Vielleicht sind diese Zurückhaltung einerseits und Neugier andererseits auch vor dem historischen Hintergrund verständlich. Kambodscha war über Jahrzehnte durch Krieg, Terrorherrschaft, vietnamesische Besatzung und extreme Armut weitgehend vom Rest der Welt abgeschnitten gewesen. Nun öffnet sich das Land. Und beide Seiten schauen sich erst einmal an.

Ein Königreich mit komplizierter Vergangenheit
In unserer Straße hatten wir durchaus prominente Nachbarschaft. Der Königspalast liegt zwar in einer großen Anlage, aber eingebettet zwischen Hochhäusern und traditionellen Behausungen. Dass Geschichte in Kambodscha selten geradlinig verläuft, zeigt sich kaum deutlicher als an König Norodom Sihanouk, dem Vater unseres aktuellen königlichen Nachbarn.
Sihanouk war König, Staatschef, Exilpolitiker und eine der schillerndsten Persönlichkeiten der jüngeren asiatischen Geschichte. Er kannte de Gaulle, Nehru, Tito und Mao, stellte sich während des Vietnamkriegs gegen die USA, wurde 1970 gestürzt und zog anschließend aus dem Exil weiter politische Fäden. Auch sein zeitweiliges Bündnis mit den Roten Khmer gehört zu den schwer verständlichen Wendungen seiner politischen Biografie.
Sein Sohn Norodom Sihamoni, seit 2004 König, könnte kaum unterschiedlicher wirken. Ausgebildet in Ballett und Filmwissenschaft, galt er vor seiner Thronbesteigung als politisch weitgehend unbelastet. Heute wird er als würdevoller, untadeliger und tief religiöser Symbolträger geschätzt, der sich weitgehend aus der Tagespolitik heraushält.
Der Königspalast mitten in Phnom Penh erinnert daran, dass Kambodscha bis heute ein Königreich ist. Doch die Monarchie ist heute konstitutionell, das heißt, politische Macht und königliche Repräsentation sind zwei verschiedene Dinge. De facto wird das Land trotz der Verfassung als Mehrparteiendemokratie seit Jahrzehnten von der Kambodschanischen Volkspartei (CPP) dominiert.

Was man auf den Märkten findet und wo man besser nicht fragt
Wer ein Land kennenlernen möchte, sollte auf den Markt gehen. Der Central Market, Phsar Thmei, ist schon architektonisch bemerkenswert. Das große gelbe Art-déco-Gebäude aus den 1930er-Jahren wirkt tatsächlich ein wenig, als sei ein Raumschiff mitten in Phnom Penh gelandet. Noch spannender ist allerdings das, was darin und auf den vielen anderen Märkten angeboten wird. Reis, Fisch, Gemüse, Obst, Currys, Suppen, vietnamesisch beeinflusste Sommerrollen und als französisches Kolonialerbe Baguette – alles wunderbar.
Und dann kommt die Abteilung für Fortgeschrittene oder besser für Unerschrockene: Heuschrecken am Spieß. Geröstete Spinnen, Kakerlaken und Käfer. Ameisen. Maden. Frittierte Taranteln. Und Hühnerembryos direkt aus dem Ei. Guten Appetit, kann man da nur sagen. An vielen Ständen sollte der europäische Magen vorsichtshalber erst einmal entscheiden, ob er wirklich nähere Einzelheiten erfahren möchte. Was für uns heute wie exotisches Streetfood aussieht, hat teilweise einen bitteren historischen Hintergrund. Während der Herrschaft Pol Pots, des Anführers der Roten Khmer, waren Insekten und andere Kleintiere für hungernde Menschen bei der Zwangsarbeit eine zusätzliche Nahrungs- und vor allem Proteinquelle und konnten schlicht zum Überleben beitragen.
Sehr sympathisch und teilweise amüsant fanden wir eine völlig ungefährliche Besonderheit der Straßenküchen: die winzigen Plastikstühle und Tische vor vielen Imbissständen. Erwachsene sitzen darauf, als sei spontan ein Kindergeburtstag in einer Kindertagesstätte ausgerufen worden. Nach kurzer Zeit wundert man sich auch darüber nicht mehr.
Eine noch sehr viel schmerzhaftere weitere Erinnerung an die Roten Khmer und die jahrzehntelangen Kriege sind die vielen amputierten Menschen im Straßenbild. Ursache sind Landminen und nicht explodierte Munition. Vor allem entlang der Grenze zu Thailand wurden während der verschiedenen Konflikte riesige Gebiete vermint. Hinzu kommen Blindgänger aus dem Vietnamkrieg. Zehntausende Kambodschaner leben infolge dieser Kriege mit Amputationen. Seit den 1990er-Jahren werden die Minen systematisch geräumt. Die Zahl der Minenunfälle konnte dadurch drastisch reduziert werden.

Und dann doch noch: Angkor Wat
Eines war uns schon im Vorfeld klar: Wer Kambodscha sagt, meint häufig eigentlich Angkor.
Das berühmteste Bauwerk des Landes ist so allgegenwärtig, dass man ihm kaum entkommen kann. Angkor Wat erscheint auf der Nationalflagge, auf Geldscheinen und sogar auf Bierflaschen. Mehr Nationalsymbol geht eigentlich kaum. Viele Kambodscha-Reisende machen es deshalb genau andersherum als wir: Sie fliegen nach Siem Reap, besuchen Angkor Wat, Ta Prohm und Bayon – und nehmen Phnom Penh anschließend noch eben mal so mit, zum Umstieg auf eine Flusskreuzfahrt oder wegen der Fluganbindung. Das ist eigentlich ein wenig schade.
Bei uns war Phnom Penh der Lebensmittelpunkt und Siem Reap der Abstecher. Vielleicht war auch das ganz gut so. Denn nach mehreren Monaten in Kambodscha betrachtet man die Tempelanlagen von Angkor nicht mehr nur als spektakuläre Fotokulisse. Man hat inzwischen etwas von der Religion erlebt, Menschen kennengelernt, die Geschichte des Landes besser verstanden und gesehen, wie stark Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind.
Und plötzlich steht Angkor Wat nicht mehr isoliert in irgendeinem Reiseführer, sondern gehört zu einem Land, das man zumindest ein kleines bisschen kennengelernt hat.

Drei Monate später
Warum hat uns Phnom Penh so positiv überrascht?
Vielleicht gerade deshalb, weil die Stadt keine einfache Schönheit besitzt. Sie ist laut und manchmal chaotisch, tropisch heiß, an manchen Stellen elegant und an anderen ziemlich heruntergekommen. Sie hat ein Müllproblem, generiert aber auch Lösungen vom einfachen Müllsammler bis zu internationalen Firmen oder NGOs, die beginnen, Entsorgungssysteme aufzubauen. Sie trägt die Spuren einer Geschichte, die grausamer kaum sein könnte, und baut gleichzeitig mit bemerkenswertem Tempo an ihrer Zukunft.
Dazwischen leben Menschen, deren Freundlichkeit und zurückhaltende Neugier uns immer wieder beeindruckt haben.
Und irgendwann merkt man, dass die vermeintlichen Gegensätze gar keine mehr sind.
Der Mönch mit dem Smartphone. Das Tuk-Tuk vor dem gläsernen Hochhaus. Die Art-déco-Markthalle neben der Straßenküche. Buddhistische Rituale und digitale Bezahlung. Eine Generation, die in einer modernen Millionenstadt lebt, während die Generation ihrer Eltern oder Großeltern noch Vertreibung, Hunger und Krieg erlebt hat.
Vielleicht ist genau das Phnom Penh. Eine Stadt, die ihre Vergangenheit nicht loswerden kann – aber offensichtlich auch nicht vorhat, sich von ihr die Zukunft nehmen zu lassen.
Und nun zurücklehnen und eine bunte Mischung an Eindrücken dieses Landes, seiner Kultur und seiner Menschen einfach auf sich wirken lassen. Und natürlich mit ganz viel Phnom Penh.
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